SIM-Forschungskolloquium: "Die Zweiklavierigen"

Veranstaltungsdatum: 24.05.2022
Ort der Veranstaltung: Curt-Sachs-Saal

Tom Wappler spricht über Praxis und Diskurs des Zusammenspiels auf zwei Klavieren im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. 14.30 bis 16 Uhr

Foto des Musikzimmers von Ferruccio Busoni, um 1912

Im Vergleich zum vierhändigen Spiel an einem Klavier, das unser heutiges musikgeschichtliches Verständnis der Klavierpraxis im 19. Jahrhundert vor allem im Zusammenhang häuslichen Musizierens maßgeblich mitbestimmt, stellt das Zusammenspiel an zwei getrennten Klavieren in der Forschungsliteratur eine seltsame Leerstelle dar. Wenn überhaupt, wird es nur in kurzen Kommentaren mit Verweis auf den reinen Konzertgebrauch und eines öffentlich zur Schau gestellten Virtuosentums abgehandelt. Die historischen Quellen zur Klaviermusik gegen Ende des 19. und frühen 20. Jahrhunderts legen derartige Einschätzungen durchaus nahe. Allerdings fördert ein differenzierter Blick auf die musik- und kulturgeschichtlichen Kontexte nicht nur die Abgrenzungsversuche, dichotomen Zuordnungsweisen und offenkundigen klanglichen, satztechnischen wie auch materiellen und körperlichen Unterschiede beider Praktiken des Spiels zu vier Händen zutage. Gegenstand des Vortrags werden darüber hinaus die engen Verbindungen dieser zwei Spiel- und Besetzungsvarianten sein. Ihr Nähe- und Distanzverhältnis ist dabei auch in Hinblick verschiedener Diskursstränge zu diskutieren, die beispielsweise um Aspekte der Sinneswahrnehmung, Subjektbildung, Virtuosität, Öffentlichkeit sowie um Fragen der Geschlechter- und Paarkonstellation kreisen.

Tom Wappler studierte Musikwissenschaft und Anglistik/Amerikanistik in Halle (Saale) und Oldenburg. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Musikinstitut der Universität Oldenburg und assoziierter Kollegiat im DFG-Graduiertenkolleg „Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung in historischer und interdisziplinärer Perspektive“. Durch zwei Promotionsstipendien des Internationalen Zentrums für Kulturwissenschaften der Kunstuniversität Linz folgten Forschungsaufenthalte in Wien, Leuven und Hannover. In seinem Dissertationsprojekt beschäftigt er sich mit der Praxeologie des Bearbeitens von Musik. Seit Februar 2022 ist Herr Wappler Institutsassistent in der Abteilung II (Musiktheorie und Musikgeschichte) des SIM.

14.30 bis 16 Uhr

Die Veranstaltung findet im Curt-Sachs-Saal des Musikinstrumenten-Museums statt. Die Teilnahme ist kostenfrei.

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