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Das Akkordeon

Spotlightausstellung im Musikinstrumenten-Museum
ab 22. Januar 2026
Das Akkordeon ist in vielen Stilrichtungen ein bekannter Akteur: in folkloristischer und populärer Musik, im Jazz und in Tanzmusik, sowie in zeitgenössischer Musik. Durch Yann Tiersens Soundtrack zum Film Die fabelhafte Welt der Amelie wurde sein Klang einem Millionenpublikum vertraut.
Die Töne erklingen durch frei schwingende Metallzungen. Der Balg zum Erzeugen des Luftstromes lässt das Instrument atmen, womit die Musik einen einzigartigen Charakter erhält. Entstanden ist das Akkordeon ab ca. 1820 gleichzeitig in Deutschland und Österreich. Mittlerweile gibt es zahlreiche Varianten. Gemeinsam ist ihnen, dass Einzeltöne über Knöpfe oder Tasten in der rechten Hand gespielt werden. Die Knöpfe in der linken Hand lassen ganze Akkorde erklingen.
Die Herstellung in großer Stückzahl erfolgte ab Mitte des 19. Jahrhunderts. Größere Betriebe montierten die Einzelteile, die oft von Gelegenheitsarbeitern zu Hause angefertigt wurden. Händler nahmen fertige Instrumente ab und versandten sie in die ganze Welt. Da sie robust und gut zu transportieren sind, erklangen sie bald in Konzert- und Tanzsälen, bei Volksfesten und zahlreichen weiteren Gelegenheiten.
The World of the Accordion
The instrument of the year 2026 is the accordion. It is a well-known protagonist in many musical styles: in folk and popular music, in jazz and dance music, as well as in contemporary compositions. Thanks to Yann Tiersen’s soundtrack for the movie Amélie, its sound became familiar to millions.
The tones are produced by vibrating metal reeds. The bellows, which generate the airflow, make the instrument breathe, giving the music a unique character. The accordion originated around 1820, simultaneously in Germany and Austria. Today, there are numerous variations. What they all have in common is that single notes are played with buttons or keys on the right hand, while the buttons on the left hand produce entire chords.
Production began in the mid-19th century. Larger workshops assembled the individual parts, which were often made by home-based workers. Dealers purchased the finished instruments and shipped them all over the world. Because accordions are sturdy and easy to transport, they soon resounded in concert and dance halls, at folk festivals, and on many other occasions.
Zu den Objekten
Anhand einer Auswahl von Akkordeons aus der Sammlung des Musikinstrumenten-Museums geben wir einen Einblick in die Geschichte des Instruments.
Die Deutsche Konzertina von C.F. Uhlig (ca. 1845), Kat.-Nr. 5171, ist eines der frühesten Handzuginstrumente in der Sammlung. Es steht für den Beginn dieser neuen Gattung, die frei schwingende Metallzungen zur Tonerzeugung mit einem durch die Hände betätigten Balg bzw. Luftstrom kombinieren. Da die Knöpfe auf beiden Seiten “nur” einzelne Töne erzeugen und diese zwischen Öffnen und Schließen des Balgs unterschiedlich sind (Wechseltönigkeit), ist die Konzertina noch kein Akkordeon, aber ein Vorläufer.
Die Deutsche Handharmonika, Kat.-Nr. 4834 von Meinel & Herold (ca. 1870) aus Klingenthal steht für den Beginn der Verbreitung und Herstellung von Akkordeons in großer Zahl. Klingenthal war eine der wichtigen Ortschaften im sogenannten Musikwinkel, einer kleinen Region im Gebiet zwischen Böhmen, Thüringen und Nordbayern, und ein wirtschaftlich wichtiger Standort zur Herstellung von Musikinstrumenten. Der Familienbetrieb Meinel & Herold wurde 1893 in eine Firma umgewandelt, die sich allein auf Harmonika- und Akkordeon-Instrumente spezialisierte. Das Akkordeon Kat.-Nr. 6131, das zwischen 1930 und 1950 gefertigt wurde, belegt den Erfolg der Firma. Der große Zeitraum deutet auf die enorme Beliebtheit und Verbreitung hin, da Modelle unverändert über 20 Jahre hin produziert wurden.
Heute dominiert in Deutschland die Firma Hohner in Trossingen den Markt für Akkordeons. Exemplarisch dafür steht das Modell “Tango”, Kat.-Nr. 5596 von 1914. Der Name deutet darauf hin, dass auch zur damaligen Zeit das Akkordeon schon in zahlreichen musikalischen Nischen verbreitet war. Allerdings hat das Akkordeon mit dem Tango nichts zu tun. Dort erklingt traditionell ein Bandoneon, das – im Gegensatz zu Akkordeons – kein mechanisch voreingestelltes Akkordsystem hat, wechseltönig ist und ausschließlich über Knöpfe auf beiden Seiten gespielt wird.
Ein weiteres Beispiel für die unterschiedliche Verbreitung von Akkordeon vom Bandoneon ist das Akkordeon von Alfred Arnold aus Carlsfeld, Kat.-Nr. 5988. In Argentinien ist der Name Alfred Arnold untrennbar mit dem Bandoneon verbunden (Doble A). Aber Alfred Arnold hat in seiner Firma nicht nur Bandoneons gebaut. Für den europäischen Markt stellte er genauso erfolgreich Akkordeons her.
Zusammen mit anderen in der Ausstellung gezeigten Modellen prägten diese Instrumente den Klang zahlreicher europäischer Musikstile und Genres, die von moderner bis zu folkloristischer Musik reichen. Das Akkordeon verbindet Welten von Ausdrucksstilen und -möglichkeiten und ist damit ein echter musikalischer Universalist.


