Schöne Minka – eine ukrainisch-deutsche Weise

News vom 21.03.2022

Arpeggione von Anton Mitteis (2. Viertel 19. Jahrhundert)
Arpeggione von Anton Mitteis (2. Viertel 19. Jahrhundert). Foto: Jürgen Liepe

Mit einem Musikbeitrag wollen wir auf die reiche Kultur der Ukraine und die enge Verbindung zur deutschen Musik und Dichtkunst aufmerksam machen und zugleich ein Zeichen unserer Solidarität mit den vom Krieg betroffenen Menschen der Ukraine setzen.

Die großen Orchester setzen aktuell ihren Konzertprogrammen die ukrainische Hymne voran. Hierzu erhebt sich das Publikum und vermittelt Geschlossenheit. Neben der Flagge eines Landes ist die Hymne das klingende, offizielle Symbol. Die ukrainische Hymne entstammt wie so viele Nationallieder der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts; ihr Text hat patriotischen, kämpferischen Charakter.   

Anders verhält es sich bei unserem Musikbeitrag. Wir haben nicht nur die starken Worte des ukrainischen Präsidenten aus den Nachrichten vor Augen, sondern auch die Berichte über unzählige Einzelschicksale. Familien müssen sich trennen, Frauen und Männer nehmen Abschied und die Zukunft ist ungewiss. Darum geht es auch in einem Lied, das Anfang des 19. Jahrhunderts als „Schöne Minka“ populär wurde. Es beruht auf einem ukrainischen Volkslied, das den deutschen Dichter Christoph August Tiedge 1808 zu neuer Textunterlegung inspirierte. Etliche Komponisten, darunter auch Ludwig van Beethoven, veröffentlichten Variationen dieses Liedes. Mag uns der pathetische Charakter des Textes heute vielleicht befremden, ist die darin beschriebene Szene gerade äußerst real. Angst und Ungewissheit der Menschen kommen zum Ausdruck.

In Zusammenarbeit mit dem Musikinstrumenten-Museum des SIMPK entstand eine besondere Aufnahme des Liedes. Sie hören den Nachbau eines Arpeggione aus unserer Sammlung – eines Streichinstruments, das es in den 1820er Jahren zu einer kurzen Blüte brachte. Es verkörpert den sensiblen Ton der Empfindsamkeit und passt zur melancholischen Stimmung des Liedes. Begleitet wird der Arpeggione von einer 7saitigen romantischen Gitarre.

Das Lied endet hoffnungsvoll, dem versuchen wir uns anzuschließen.

Arpeggione gespielt von Gerhart Darmstadt
Gitarre gespielt von Björn Colell
Aufnahme: Cavalli Records in Zusammenarbeit mit dem MIM SIMPK, 2005

Der Kosak und sein Mädchen

Schöne Minka, ich muß scheiden! – 
Ach! du fühlest nicht das Leiden,
Fern auf freudelosen Heiden,
Fern zu sein von dir!
Finster wird der Tag mir scheinen,
Einsam werd‘ ich steh’n und weinen,
Auf den Bergen, in den Hainen
Ruf ich, Minka, dir!

Nie werd‘ ich von dir mich wenden,
Mit den Lippen, mit den Händen
Werd‘ ich Grüße zu dir senden
Von entfernten Höh’n!
Mancher Mond wird noch vergehen,
Ehe wir uns wiedersehen;
Ach, vernimm mein letztes Flehen:
Bleib‘ mir treu und schön!

Du, mein Olis, mich verlassen?
Meine Wange wird erblassen,
Alle Freuden werd‘ ich hassen,
Die sich freundlich nah’n!
Ach! den Nächten und den Tagen
Werd‘ ich meinen Kummer klagen,
Alle Lüfte werd‘ ich fragen,
Ob sie Olis sah‘n!

Tief verstummen meine Lieder,
Meine Augen schlag ich nieder;
Aber – seh‘ ich dich einst wieder,
Dann wird’s anders sein!
Ob auch all‘ die frischen Farben
Deiner Jugendblüte starben:
Ja, mit Wunden und mit Narben
Bist du, Süßer mein!

Text: Christoph August Tiedge, 1808

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