Highlights der Ausstellung

Zu den Höhepunkten der Schausammlung gehören die Naumburger Blasinstrumente, das annähernd komplette Instrumentarium einer mitteldeutschen Stadtpfeiferei um 1600. Glanzstücke sind außerdem das berühmte Bach-Cembalo und seine Nachbauten, Querflöten aus dem Besitz Friedrichs des Großen, das Reisecembalo aus dem Besitz Sophie-Charlottes von Preußen, Carl Maria von Webers Hammerflügel, eine englische Kirchenorgel aus der Werkstatt John Grays und die größte Kino- und Theaterorgel des europäischen Kontinents, die viermanualige Mighty Wurlitzer, die auch regelmäßig in Konzerten erklingt.

Die Naumburger Blasinstrumente

Fünf Krummhörner (17. Jh.) aus der Sammlung von St. Wenzel in Naumburg
Fünf Krummhörner (17. Jh.) aus der Sammlung von St. Wenzel in Naumburg. Kat.-Nr.: 668, 669, 670, 671, 673. Foto: Harald Fritz

Eine weltweit einzigartige Kollektion seltener Blasinstrumente des Frühbarock aus der Naumburger Stadtkirche St. Wenzel.

Einem außerordentlichen historischen Glücksfall ist es zu verdanken, dass das Musikinstrumenten-Museum eine umfangreiche Kollektion seltener Blasinstrumente des Frühbarock aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts besitzt. Der Naumburger Kantor Andreas Unger vermachte 1657 seine Instrumentensammlung testamentarisch der Stadtkirche St. Wenzel. Aus Pietät gegenüber dem Stifter wurden diese Instrumente über Jahrhunderte hinweg aufgehoben - obwohl sie schon bald aus der Mode gekommen waren und keinerlei Gebrauchswert mehr aufwiesen.

Es handelt sich um Instrumente, wie sie in der Praxis der Stadtpfeiferei üblich waren: Rauschpfeifen, Pommer, Dulziane, Krummhörner, Blockflöten, Querflöten, Zinken, Posaunen und Trompeten. Sie wurden sowohl in der Kirche als auch zu anderen Anlässen, etwa bei Hochzeitsfeiern oder in der Hausmusik gespielt. Eine Besonderheit der Naumburger Sammlung ist es, dass die Instrumente nicht als Einzelstücke, sondern in Familien - sogenannten „Stimmwerken“ - überliefert sind: Diskant-, Alt-, Tenor- und Bassinstrumente einer Instrumentengattung sind gleichermaßen vorhanden.

Lesen Sie mehr dazu im Führungsblatt "Die Instrumente aus der Kirche zu St. Wenzel in Naumburg".

Hörbeispiel

Die Musicalische Compagney spielt eine Padouana à 4 von Johann Hermann Schein (1586–1630) auf Krummhörner aus der Naumburger Sammlung (Deutschland 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts).

Das „Bach-Cembalo”

Cembalo ("Bach-Cembalo")
Cembalo (um 1700) der Werkstatt von Johann Heinrich Harras zugeschrieben und möglicherweise aus dem Besitz J.S. Bachs. Kat.-Nr.: 316. Foto: Jürgen Liepe

Ein Instrument mit Modellcharakter: Spielte Johann Sebastian Bach höchstpersönlich auf diesem Cembalo?

Das sogenannte „Bach-Cembalo” gilt als Reliquie unter den Instrumenten des Berliner Musikinstrumenten-Museums. Der Überlieferung nach stammt es aus dem Besitz Wilhelm Friedemann Bachs, der es von seinem Vater Johann Sebastian geerbt haben soll. Nachzuweisen ist dies allerdings nicht. Als Erbauer ist mit großer Wahrscheinlichkeit ein Mitglied der Familie Harrass aus Großbreitenbach in Thüringen anzunehmen.

Die Aura des Namens Bach und die besondere Disposition des Instruments (16', 8' und 4') sorgten dafür, dass in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das „Bach-Cembalo“ Modellcharakter gewann und vielfach nachgebaut wurde. Im Musikinstrumenten-Museum selbst sind in jüngerer Zeit von Horst Rase und Thomas Lerch zwei Nachbauten des Instruments angefertigt worden, die in Material, Mechanik und Klang dem nicht mehr spielfähigen Original möglichst nahekommen sollen. Zudem repräsentieren die Nachbauten zwei verschiedene Zustände in der Geschichte des „Bach-Cembalo“, das durch Reparaturen und Erweiterungen mehrfach tiefgreifend verändert worden ist.

Lesen Sie mehr dazu im Führungsblatt "Das Cembalo: nationale Unterschiede".

Hörbeispiel

Wilhelm Bender spielt eine Toccata von Johann Jacob Froberger (1616–1667) auf dem Cembalo aus der Werkstatt Harraß, Großbreitenbach (Thüringen), um 1700, das möglicherweise aus dem Besitz J.S. Bachs stammt.

Flöten aus dem Besitz Friedrichs II.

Querflöte mit zugehörigem Kasten von Johann Joachim Quantz
Querflöte mit zugehörigem Kasten von Johann Joachim Quantz aus dem Besitz Friedrich des Großen (Potsdam, 1740/60). Kat.-Nr. 5076. Foto: Jürgen Liepe

Wahrhaft königliche Instrumente: Der Musikenthusiast Friedrich II. von Preußen liebte seine Querflöten über alles.

Der preußische König Friedrich II. war ein enthusiastischer Musikliebhaber und ein guter Querflötenspieler. Schon lange vor seiner Thronbesteigung hatte Friedrich in Ruppin und Rheinsberg Musiker um sich geschart, von denen er sich unterrichten ließ und mit denen er gemeinsam musizierte: Carl Heinrich Graun, sein späterer Kapellmeister, Franz Benda, Carl Philipp Emanuel Bach, insbesondere aber Johann Joachim Quantz. Dieser hatte die Aufgabe, Friedrich im Flötenspiel zu unterweisen und bei den abendlichen Kammermusiken mitzuwirken.

Das Museum besitzt mehrere Querflöten, darunter eine aus Ebenholz und eine aus Elfenbein, die sich im Besitz Friedrichs II. befunden haben. Dies belegen ein handschriftliches Zeichen (FR=Fredericus Rex) und schriftliche Nachweise aus der Zeit um 1800. Zwei dieser Instrumente dürften tatsächlich nach Quantzens Vorstellungen gefertigt worden sein. Ebenfalls aus dem Besitz des Preußenkönigs stammen zwei weitere Querflöten mit Kasten von I. Scherer aus Butzbach (Hessen) aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Eine Grifftabelle für die Querflöte, die im Besitz Friedrichs war (dies belegt der Eintrag links unten: „Frederici a Berlin ce Janivier 1753“), ist vermutlich von Quantz angelegt worden.

Lesen Sie mehr dazu im Führungsblatt "Musikinstrumente aus dem Umkreis Friedrich II. von Preussen".

Hörbeispiel

Peter Thalheimer spielt "Vivace alla francese" in D-Dur von Johann Joachim Quantz (1697-1773) auf einer Quantz zugeschriebenen Traversflöte aus dem Besitz Friedrichs des Großen

Die Mighty Wurlitzer-Theaterorgel

Theaterorgel der Rudolph Wurlitzer Company, USA 1929
Theaterorgel der Rudolph Wurlitzer Company, USA 1929. Kat.-Nr.: 5369. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

Donnergrollen und Vogelzwitschern, Sirenengeheul und Glockengeläut – die Klangpalette einer der mächtigsten Theater- und Kinoorgeln Europas lässt sich hören.

Werner Ferdinand von Siemens, der Enkel des Firmengründers, erwarb dieses viermanualige Instrument 1929 von der Rudolph Wurlitzer Company in North Tonawanda, NY. Es ist das größte seiner Art auf dem europäischen Kontinent und verfügt über 15 ranks (Pfeifenreihen). Das komplette Pfeifenwerk und die Effektinstrumente sind in drei Kammern hinter Glas auf der Galerie des Museums untergebracht. Der hufeisenförmige, beleuchtete Spieltisch in weißem Schleiflack befindet sich an zentraler Position inmitten des Museums, die Relaisstation und die Winderzeugung in eigenen Kellerräumen. Die Mighty Wurlitzer besitzt insgesamt 1228 Pfeifen und mehr als 200 Register. Hinzu kommt eine große Anzahl an Schlaginstrumenten. Alle Klänge werden rein akustisch erzeugt. Die Verbindung zwischen Taste und Pfeife erfolgt über Relais auf elektrischem Wege.

In den 20er Jahren diente eine Kinoorgel der musikalischen Untermalung des Stummfilms, später dann dem Auftritt von Orgelvirtuosen. Heute wird die Berliner Mighty Wurlitzer regelmäßig bei Führungen, zu Stummfilmen und in Sonderkonzerten gespielt. Im Museumsshop sind mehrere CD-Einspielungen erhältlich.

Lesen Sie mehr dazu im Führungsblatt "Die Mighty Wurlitzer".

Video

Jörg Joachim Riehle spielt und erklärt die Mighty Wurlitzer-Theaterorgel (1929).

Das Reisecembalo – clavecin brisé

Clavecin brisé, Reisecembalo, aus der Werkstatt von Jean Marius
Clavecin brisé, Reisecembalo, aus der Werkstatt von Jean Marius (Paris 1700-1704). Kat.-Nr.288. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

Zum Zusammenklappen und Mitnehmen – eine Rarität am preußischen Hof.

Eine absolute Rarität des Musikinstrumenten-Museums ist ein Cembalo, das am Hof Friedrichs II. für den Reisegebrauch zur Verfügung stand. Es wurde zwischen 1700 und 1704 in Paris gebaut, der Erfinder dieses Typs Reisecembalo (clavecin brisé) war der Franzose Jean Marius. Das clavecin brisé unseres Museums war ein Geschenk der Herzogin von Orléans an Königin Sophie Charlotte von Preußen. Es ist signiert mit den Brandstempeln EXCLUSIF PRIVILEGE DU ROY und MARIUS.

Das Instrument besteht aus drei Teilen, die nach dem Einschieben der Klaviaturen so zusammengeklappt werden können, dass ein geschlossener, länglicher Kasten entsteht. Auf diese Weise könnte das Cembalo unproblematisch aufbewahrt und transportiert werden. An der linken Zarge des Bassteils ist eine Stimmvorrichtung angebracht, mit deren Hilfe eine wohltemperierte Stimmung gelegt werden kann.
Das Reisecembalo ist das einzige Tasteninstrument, das aus der Preußischen Kunstkammer an das Musikinstrumenten-Museum kam und heute noch erhalten ist.

Lesen Sie mehr dazu im Führungsblatt "Musikinstrumente aus dem Umkreis Friedrich II. von Preussen".

Video

Mechanik des Reisecembalos von Jean Marius (um 1700). Es erklingt das "Presto" aus der Sonate in e-Moll von Friedrich II. von Preußen (1712–1786), gespielt von G. Kastner, N. Bousset & H. Augustin.

Die Glasharmonika

Glasharmonika, 1805 oder 1815 in Deutschland gebaut
Glasharmonika, 1805 oder 1815 in Deutschland gebaut. Kat.-Nr. 812. Foto: Jürgen Liepe

Benjamin Franklin, der große Physiker und Politiker, hat nicht nur den Blitzableiter, sondern auch die Glasharmonika erfunden.

Benjamin Franklin, der große Physiker und Politiker, hat nicht nur den Blitzableiter, sondern auch die Glasharmonika erfunden. Angeregt von der Darbietung eines auf Weingläsern musizierenden Virtuosen, baute er 1761 ein Instrument, bei dem auf einer Achse, die über Fußantrieb in Bewegung versetzt wird, halbkugelförmige Glasschalen ("Kalotten") unterschiedlicher Größe aufgereiht sind. Der Musiker spielt das Instrument, indem er die rotierenden Kalotten mit befeuchteten Fingern berührt und so einen eigenartig ätherischen Klang erzeugt. Immerhin verfassten Mozart und Beethoven Kompositionen für dieses seltene Instrument. Richard Strauss schrieb im dritten Akt seiner Oper "Die Frau ohne Schatten" eine Partie für Glasharmonika.

Die Glasharmonika des Museums ist unsigniert. Aufgrund von bautechnischen Merkmalen ist jedoch anzunehmen, dass das Instrument um 1810 in Süddeutschland oder Österreich angefertigt worden ist. Der Tonumfang der 44 Kalotten reicht von d bis a'''. Zur leichteren Orientierung des Spielers sind die Semitonien-Kalotten auf der Innenseite ihrer Ränder vergoldet.

Hörbeispiel

Christa Schönfeldinger spielt das "Adagio in C-Dur" Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) auf der Glasharmonika des Musikinstrumenten-Museums, Deutschland oder Österreich, um 1810.

Der „Weber-Flügel”

Hammerflügel aus dem Besitz von Carl Maria von Webers
Hammerflügel aus dem Besitz von Carl Maria von Webers (Werkstatt von Joseph Brodmann, 1813). Kat.-Nr. 312. Foto: Jürgen Liepe

An diesem Hammerflügel aus der Wiener Werkstatt Joseph Brodmanns hat Carl Maria von Weber seinen "Freischütz" komponiert.

Auf einer Konzertreise erwarb Carl Maria von Weber 1813 einen Hammerflügel von Joseph Brodmann. In einem Brief an seinen Bruder bringt Weber seine Freude über den Kauf zum Ausdruck: „Ich habe 2 herrlich Instrumente gekauft eins von Streicher und eins von Brodmann. An einem Tage habe ich gewiß 50 verschiedene gesehen von Schanz, Walter, Wachtl etc. die alle nicht einen Schuß Pulver taugen im Vergleich von jenem.” 1881 vermachte Webers Sohn den Brodmann-Flügel an Kaiser Wilhelm I., König von Preußen. Kaiser Wilhelm II. schenkte ihn dann 1889 der Berliner Musikinstrumenten-Sammlung.

Joseph Brodmann (1771––1848) zählt zu den bekanntesten Klavierbauern in Wien zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Neben Weber schätzte auch Beethoven seine Instrumente. Brodmanns Werkstatt wurde nach seinem Tod von seinem Schüler Ignaz Bösendorfer übernommen.

Der „Weber-Flügel", ein mit Nussbaum furniertes Instrument, ist durchgängig dreichörig bezogen und ermöglicht mit Hilfe von vier Pedalen und einem Kniehebel fünf verschiedene Klangdifferenzierungen. Besonders hervorzuheben ist das kontinuierlich wirkende Una-corda-Pedal, das auch die Umsetzung der bei Beethoven auftretenden Spielanweisungen „una corda“, „due corde“ und „tre corde“ (eine, zwei bzw. drei Saiten) erlaubt. Die drei anderen Pedale dienen der Dämpfungsaufhebung, als Fagottzug (ein Pergamentstreifen legt sich lose auf die Saiten, wodurch ein schnarrender Klang entsteht) und als Moderator bzw. Pianozug (zwei Tuchstreifen schieben sich zwischen Hämmer und Saiten). Ebenfalls als Pianozug (mit nur einem Tuchstreifen) fungiert der Kniehebel.

Durch den leichten Anschlag und den geringen Tiefgang der Tasten kam das Instrument der brillanten Spielweise der Epoche sehr entgegen.

Lesen Sie mehr dazu im Führungsblatt "Zur Geschichte des Pianoforte".

Hörbeispiel

Auf den Hammerflügel von Joseph Brodmann (Wien um 1800) aus dem Besitz Carl Maria von Webers spielt Gert Hecher das "Andante sostenuto" (Entwurfsfassung) aus der Klaviersonate in B-Dur von Franz Schubert (1797–1828).

Die Gray-Orgel

Kirchenorgel aus der Werkstatt der Brüder Gray
Kirchenorgel aus der Werkstatt der Brüder Gray (1815-20) in Bathwick (England). Kat.-Nr. 5399. Foto: Jürgen Liepe

Ein englisches Meisterinstrument des frühen 19. Jahrhunderts

Für Liebhaber historischer Orgeln bietet das Berliner Musikinstrumenten-Museum eine besondere Attraktion: Eine dreimanualige Schleifladenorgel mit Rückpositiv der berühmten Londoner Orgelbaufirma Gray. Sie wurde zwischen 1815 und 1820 - vermutlich von John Gray – für eine Kirche in Bathampton bei Bath in Somerset gebaut. Die Orgel hat 24 Register, die Disposition besteht aus Haupt-, Chor- und Schwellwerk, jeweils mit einem Umfang von C-f''', dazu ein nachträglich erweitertes Pedal (C-f'), Koppeln und Spielhilfen. Die Orgel wurde von der Firma E. F. Walcker fachkundig restauriert und im historischen Sinne nachintoniert, ebenso das neogotische Gehäuse, wobei das gut erhaltene Rückpositiv als Vorbild diente.

Mit dem weichen Klang ihrer weit mensurierten Pfeifen steht die Gray-Orgel ganz in der Barocktradition, die den Orgelbau im konservativen England des frühen 19. Jahrhunderts kennzeichnet.

Video

Jörg Joachim Riehle stellt die Orgel aus der Werkstatt von William und John Gray vor.
Andreas Sieling, Organist am Berliner Dom, spielt die Fuga a 3 D-Dur WoO 31. Der erst 13-jährige Beethoven schrieb das Stück möglicherweise, um sich damit für das Amt des Zweiten Hoforganisten in Bonn zu bewerben.

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