Cremona trifft Berlin – Stradivari trifft Stradivari

News vom 11.03.2026

Anlässlich der ITB traf die „Golden Bell” des Museo del Violino für zwei Tage auf ihr Berliner Pendant. Die Delegation aus Cremona war beeindruckt von der Arbeit am MIM.

Keine andere Stadt ist mit dem Geigenbau so eng verbunden wie Cremona. Seit dem 16. Jahrhundert werden hier Streichinstrumente allerhöchster Güte hergestellt. Ihren Höhepunkt erreichte die cremoneser Geigenbaukunst mit Antonio Stradivari (1644–1737) und Giuseppe Guarneri „del Gesù“ (1698–1744). Internationale Geigen-Stars spielen noch heute ihre Instrumente, die regelmäßig Auktionspreise im zweistelligen Millionenbereich erreichen.

Das Museo del Violino beherbergt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen zum Geigenbau in Cremona. Neben verschiedenen Instrumenten befinden sich in der Sammlung auch Schablonen, Formen und Werkzeuge aus der Werkstatt Antonio Stradivaris. Das Museum beherbergt das Netzwerk Friends of Stradivari, das Sammlerinnen, Forscherinnen und Musikerinnen aus der ganzen Welt verbindet.

Emanuele Marconi, Direktor des Musikinstrumenten-Museums, und Barnes Ziegler, Leiter der Konservierung, führten den Besuch aus Cremona durch Ausstellung und Depot des MIM und erörterten zukünftige Forschungs- und Ausstellungsprojekte.

Emanuele Marconi, Direktor des MIM, mit dem Clavecin brisé von Jean Marius aus dem Besitz Friedrichs des Großen. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

Stradivari trifft Stradivari

Anlässlich des Besuchs in Berlin war die „Golden Bell“-Stradivari des Museo del Violino für zwei Tage gemeinsam mit der Stradivari des MIM ausgestellt. Foto: Barnes Ziegler

Die Stradivari des Musikinstrumenten-Museums entstand 1705, während der „Goldenen Periode“ des Meisters. Sie wurde auf der gleichen Form – der sogenannten P-Form – gebaut wie die „Golden Bell“ des Museo del Violino. Die breite Randeinlage, die Holzauswahl und viele andere stilistische Merkmale zeigen den Stil des 61-jährigen Antonio Stradivari, der zu dieser Zeit in seiner Werkstatt von seinen Söhnen Omobono und Francesco unterstützt wurde. Bei der „Golden Bell“, eine Leihgabe der Alago-Familienstiftung an das Museum in Cremona, handelt es sich um ein Frühwerk Stradivaris. Im Vergleich der beiden Instrumente zeigt sich die handwerkliche Entwicklung des späteren Großmeisters.

Verbindung Berlin – Cremona

Barnes Ziegler mit einer Geige der „Alemannischen Schule“, einer Geigenbauschule, die von Olga Adelmann, ehemalige Restauratorin am MIM, entdeckt wurde.

Es gibt noch weitere Verbindungen zwischen den beiden Museen in Cremona und Berlin. Giuseppe Fiorini, der 1930 seine Sammlung mit Schablonen und Formen von Antonio Stradivari der Kommune von Cremona schenkte, war bekannt mit Otto Möckel, Geigenbauer in Berlin und Mitglied der Sachverständigen Kommission der Staatlichen Sammlung Alter Musikinstrumente, der Vorgängerinstitution des heutigen Musikinstrumenten-Museums SIMPK. Möckel kannte die Sammlung Fiorinis und entwickelte daraus wichtige Teile seiner Geigenbaumethoden. Fiorini war zudem Lehrer von Simone Ferdinando Sacconi, der 1972 ein Buch zu den Bautechniken Stradivaris (Die „Geheimnisse“ Stradivaris) veröffentlichte, das Olga Adelmann, Schülerin Möckels und Restauratorin am Musikinstrumenten-Museum, ins Deutsche übersetzte.

Seit 2012 gehört der Geigenbau zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

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