Berliner Aufnahmeräume 1900 bis 1945

Orte der phonographischen Industrie in Zeiten globaler Krisen

Telefunken-Studio Sing-Akademie Berlin: Das Berliner Philharmonische Orchester bei einer Schallplatteneinspielung unter der Leitung von Hans Schmidt-Isserstedt, 1937. Quelle: Archiv der Berliner Philharmoniker, F5 I 1937-1

Unter den ca. 16.000 im SIM verwahrten historischen Tonträgern befinden sich rund 10.000 Produktionen aus mittlerweile zerstörten, aber auch aus nach wie vor existierenden Berliner Aufnahmeräumen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Aus einer Zeit also, in der Berlin Hauptstandort der deutschen phonographischen Industrie war, nachdem in der Folge der Industriegründungen Thomas Alva Edisons (Phonograph) und Emil Berliners (Grammophon) seit der Jahrhundertwende etwa ein Dutzend Firmen entstanden, die sich der Herstellung von akustischen Schallaufzeichnungen aller musikalischen Stile und Genres für einen globalen Markt widmeten.

Anhand von Objekten aus der Sammlung des SIM lässt sich mit einer Fokussierung auf die architektonischen Räume, in denen Menschen Musik aufgenommen und produziert haben, die lokale kultur- und wirtschaftshistorische Bedeutung der Stadt vermitteln und einer weiten Öffentlichkeit in Erinnerung rufen. Das Projekt »Berliner Aufnahmeräume 1900 bis 1945 – Orte der phonographischen Industrie in Zeiten globaler Krisen« will zusammenfassend darstellen und im Einzelfall erforschen, in welchen Räumlichkeiten über 40 Jahre lang rein mechanisch mit dem Trichter, ab 1926 mit elektrischer Verstärkung und dem Mikrophon, Schallaufzeichnungen hergestellt wurden, und wie diese Orte beschaffen waren.

Im Projekt sollen beispielhafte Produktionen verschiedener Firmen aus rund 20 Aufnahmeräumen über den Zeitraum von 1900 bis 1945 identifiziert, digitalisiert und mit den ermittelbaren Informationen – Daten, Texten und Bildern aus der Fachpresse, aus Akten des Landesarchivs, des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz und des Deutschen Technikmuseums – vorgestellt werden. Inwiefern die erhaltenen Phonogramme akustische Schnappschüsse der Räumlichkeit sind, in denen sie aufgenommen wurden, wird dabei ebenso zu klären sein wie die Frage, ob Wechselwirkungen zwischen Raum und aufgezeichneter Darbietung feststellbar sind. Dabei ist letztlich auch ein Ergebnis von Belang, das den konkreten historischen Raum als eine bloße Facility nahelegen würde, die man dem fertigen Audioprodukt nicht mehr anmerkt – erlaubte dies doch weitreichende Schlüsse etwa hinsichtlich herrschender Aufnahmebedingungen, aber auch der Bereitschaft zur Anpassung an das neue Medium seitens der Interpret*innen und damit der Herausbildung einer spezifischen Aufnahme- und Interpretationsästhetik.

Projektleitung

Carsten Schmidt, M.A., Wiss. Dok.

Leiter der Bibliothek und des Referats Musikwissenschaftliche Dokumentation

+49 30 254 81 140

E-Mail

Dr. Jo Wilhelm Siebert

Sachbearbeitung im Bereich Musiktheorie und Musikgeschichte

+49 30 254 81 131

E-Mail

Zeitraum

2026–2028

Förderung