Bereichsnavigation
Mighty-Wurlitzer-Medienstation
Die Kinoorgel in der Stummfilm-Ära
Wie kam die Mighty Wurlitzer ins Museum?
Die Wurlitzer-Orgel wurde 1929 von Werner Ferdinand von Siemens (1885–1937) bei der Rudolph Wurlitzer Company in North Tonawanda, im Bundesstaat New York, USA, gekauft. Weiterlesen
Video in Deutscher Gebärdensprache
Anschauen
Sehen: Video zu Geschichte und Spezialeffekten
Warum gibt es Kinoorgeln, welche Spezialeffekte hat die Mighty Wurlitzer und wie kam sie ins Museum? Jörg Joachim Riehle erzählt und spielt Musik. Anschauen
Hören: The Greatest Show on Earth
Robert Duksch spielt auf der Mighty Wurlitzer. Anhören...
Die Kinoorgeln der Wurlitzer Company (USA) in der Stummfilm-Ära
Die Mighty-Wurlitzer-Orgel, die heute einen besonderen Platz im Musikinstrumenten-Museum einnimmt, ist weit mehr als nur ein Musikinstrument – sie ist ein Zeitzeuge einer ganzen Ära.
Im frühen 20. Jahrhundert eroberte eine neue Kunstform die Welt: der Kinofilm. Filme fesselten die Massen auf eine Weise, wie es zuvor keinem anderen Medium gelungen war. Um den bewegten Bildern eine passende musikalische Untermalung zu verleihen, wurden zunächst zahlreiche Musikerinnen und Musiker engagiert – ein kostspieliges Unterfangen.
In dieser Zeit wurden Kinoorgeln berühmt. Insbesondere die Modelle der Wurlitzer Company spielten eine zentrale Rolle im frühen Kinoerlebnis.
Wurlitzer-Kinoorgeln konnten ein ganzes Orchester imitieren: Sie ahmten die Klänge von Geigen, Flöten, Oboen und Trompeten nach und waren mit Schlaginstrumenten wie Xylophonen, Vibraphonen und Marimbas ausgestattet. Darüber hinaus verfügten sie über eine Vielzahl an Spezialeffekten, die das Kinoerlebnis noch lebendiger machten – von Donnerschlägen und Vogelrufen bis hin zu Glöckchen und anderen Klangerzeugern.
Während der Filmvorführungen sorgten die Organist:innen dafür, dass Musik und Effekte perfekt mit der Handlung auf der Leinwand synchronisiert waren.
Wie kam die Mighty Wurlitzer in Museum?
1929: Ein Klangwunder zieht nach Berlin
Die Mighty-Wurlitzer-Orgel wurde 1929 von Werner Ferdinand von Siemens (1885–1937) bei der Rudolph Wurlitzer Company in North Tonawanda, New York, erworben. Siemens, ein Liebhaber schneller Autos und großer Musik, ließ in seiner Villa in Berlin-Lankwitz eigens einen Konzertsaal errichten. Zunächst installierte er eine kleinere Wurlitzer-Orgel, die später an den Ufa-Palast verkauft wurde. Danach zog eine größere Orgel mit vier Manualen ein, die sogenannte Mighty Wurlitzer.
1943 ging die Villa – und mit ihr auch die Orgel – in den Besitz des Deutschen Reiches über. Anders als viele andere Kinoorgeln, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden, überstand die Wurlitzer den Krieg unbeschadet. Tragischerweise wurde sie jedoch später bei einem Brand beschädigt. Das Feuer, das laut dem Orgelbaumeister Edgar Töpfer durch Kerzen auf einer ausgelassenen Party ausgelöst wurde, zerstörte das Instrument erheblich.
1962: Rettung durch einen US-Soldaten
Marvin E. Merchant war US-amerikanischer Soldat und spielte während seiner Stationierung in Berlin eine entscheidende Rolle bei der Rettung der Mighty-Wurlitzer-Orgel. 1962 verursachte ein Kabelbrand in der Siemens-Villa erhebliche Schäden. Merchant widmete sich mit großem Enthusiasmus und handwerklichem Geschick der Reparatur – und das völlig unentgeltlich.
Für seinen Einsatz wurde er 1964 von der Deutschen Bundesregierung mit einer Dankesurkunde geehrt. Merchant dachte sogar darüber nach, die Orgel selbst zu kaufen. Als er jedoch erfuhr, dass sie dem Musikinstrumenten-Museum übergeben werden sollte, zeigte er sich erfreut: So könne die Orgel von vielen Menschen gesehen und gehört werden.
1984: Ein neues Zuhause im Museum
Nach jahrelangen Verhandlungen erhielt das Musikinstrumenten-Museum die Mighty Wurlitzer schließlich als „unentgeltliche Übereignung der Bundesrepublik Deutschland“. Vor ihrer Präsentation zur Eröffnung des Hauses im Jahr 1984 wurde sie von der Firma E. F. Walcker aufwendig restauriert – für rund 206.000 D-Mark, damals etwa 70 durchschnittliche Monatsgehälter.
Wegen ihrer imposanten Größe war die Orgel von Anfang an in die Architektur des neuen Museumsgebäudes eingeplant. Architekt Edgar Wisniewski, der nach Entwürfen von Hans Scharoun arbeitete, integrierte sie in drei Etagen: Keller, Erdgeschoss und ersten Stock – weit mehr, als der schlichte weiße Spieltisch vermuten lässt.
Heute ist die Mighty Wurlitzer regelmäßig bei Stummfilm-Abenden zu hören – ein klanggewaltiges Erlebnis.

