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Dr. Lars Kingberg
Stipendiat am SIM von Mai bis August 2026
Dr. Lars Klingberg ist Musikwissenschaftler und als solcher Spezialist für das Wechselverhältnis von Musik und Politik im Deutschland des 20. Jahrhunderts. Er studierte von 1984 bis 1989 an der Humboldt-Universität zu Berlin und promovierte 1995 an der Universität Rostock über das Schicksal von Musikgesellschaften im geteilten Deutschland.
Sein Forschungsprojekt am Staatlichen Institut für Musikforschung hat den Titel „Die Komponistin Ruth Zechlin im ästhetischen Spannungsfeld des Kalten Krieges“. Anlass für diese Thematik ist der 100. Geburtstag der 2007 gestorbenen Komponistin am 22. Juni 2026. Eine erste Gelegenheit zur Präsentation von Forschungsergebnisse bietet sich auf dem vom 26. bis 28. Juni 2026 in Weimar stattfindenden Symposium „Ruth Zechlin 100. Ästhetische und politische Konstellationen“.
An Ruth Zechlin, der wohl bedeutendsten deutschen Komponistin während der Zeit des Kalten Krieges, fasziniert Lars Klingberg die Rezeption zeitgenössischer Musik in Abhängigkeit von persönlicher Prägung sowie von den politischen und ästhetischen Verhältnissen in der DDR. Zechlin, eine bekennende Christin, begann unter ihrem Leitstern Johann Sebastian Bach und unter dem Einfluss ihrer Leipziger Lehrer zunächst im gemäßigt modernen linearen und erweitert tonalen Stil der Nachkriegszeit, womit sie auch anschlussfähig an die damals in der DDR geforderte Doktrin des Sozialistischen Realismus war. Vergleichsweise spät, aber mit großer Konsequenz, unternahm sie dann am Beginn der 1970er Jahre eine ästhetische Kehrtwende und orientierte sich nun an Komponisten wie Witold Lutosławski, Hans Werner Henze, György Ligeti und Krzysztof Penderecki, zu denen sie auch freundschaftliche Kontakte unterhielt. Einen weiteren Bruch in ihrem Schaffen vollzog sie nach der deutschen Wiedervereinigung, als sie zum Katholizismus konvertierte und sich auf die Komposition von katholischer Kirchenmusik konzentrierte.

