###

Torso eines Lebens

Wann: Fr 13.12.2019, 14:00 Uhr - Sa 14.12.2019, 22:00 Uhr
Wo: Curt-Sachs-Saal

Der Geburtstag des Komponisten und Pianisten Gideon Klein jährt sich im Dezember 2019 zum 100. Mal. Gideon Klein wurde am 6. Dezember 1919 geboren, studierte in Prag und wurde im Dezember 1941 ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort gehörte er als Pianist und Komponist zu den zentralen Persönlichkeiten der "Freizeitgestaltung". Im Oktober 1944 wurde er wie die anderen Musiker nach Auschwitz verbracht, überstand jedoch die Selektion und kam ins Konzentrationslager Fürstengrube. Er verstarb im Januar 1945 unter ungeklärten Umständen.

Das Staatliche Institut für Musikforschung lädt gemeinsam mit dem Verein musica reanimata e.V., der sich um die Wiederentdeckung NS-verfolgter Komponisten und ihrer Werke bemüht, am 13. und 14. Dezember 2019 zu einem Symposium und zwei Konzerten ein, um das schmale, aber gehaltvolle kompositorische Oeuvre Kleins, das zur Hälfte vor der Deportation in Prag, zur Hälfte in Theresienstadt entstand, wieder einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Beim Symposium am Freitag, 13. Dezember 2019 von 14-18 Uhr und Samstag, 14. Dezember, von 10-18 Uhr stehen Referate und Panels mit David Fligg, Wolfgang Rathert, Paul Schendzielorz, Lubomir Spurny, Jascha Nemtsov, Michael Beckerman, Beatrix Borchard, Wolfgang Rüdiger, Gottfried Eberle, Albrecht Dümling und Winfried Radeke auf dem Programm.

Unter der Überschrift "Gideon Klein. Porträt eines Komponisten" wurden von David Fligger Originaltexte und Musik für drei Sprecher und Streichquartett zusammengestellt. Die Musik stammt von Klein, Mozart, Janáček und Hindemith. Es spielt das Martinů Quartett. Das Konzert beginnt um 20 Uhr.

Am Samstag, 14. Dezember 2019, um 20 Uhr erklingt ein Konzert mit Kammermusik, Vokalwerken und der Klaviersonate von Gideon Klein. Es musizieren unter anderem Jascha Nemtsov, Klavier, und das Martinů Quartett.

Die Veranstaltungen werden unterstützt von der Ernst von Siemens Musikstiftung und dem Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Der Eintritt zum Symposium ist frei, der Eintritt zu den Konzerten kostet jeweils 14 Euro, ermäßigt 8 Euro.

Veranstaltungsflyer

PROGRAMM

Freitag, 13. Dezember

14 Uhr Eröffnung des Symposiums. Grußworte

14.30 – 18 Uhr Referate I
(Chair: 1. Thomas Ertelt, 2. Manuela Schwartz)

14.30 Uhr David Fligg: These were good times: 'The Poplar Tree' on the edge of war
15 Uhr Paul Schendzielorz: Das Frühwerk von Gideon Klein – mit fünfzehn auf der Höhe der neuen Musik
15.30 Uhr David Vondracek: Literatur und Lebenswelt in den Vokalwerken Gideon Kleins

16.00 Kaffeepause

16.30 Uhr Gottfried Eberle: Von Janáček zur Zwölftontechnik. Die Streichquartette (1936-43)
17 Uhr Lubomir Spurny: Der Pianist Gideon Klein
17.30 Uhr Wolfgang Rüdiger: Die Wiedergabe des Verlorenen im Werk. Gideon Kleins Divertimento für acht Bläser (1939/40) als Akt des Widerstands

20 Uhr Konzert I

"Gideon Klein. Porträt eines Komponisten" für drei Sprecher und Streichquartett (EA)

Gideon Klein
Streichtrio und Duo für Violine und Violoncello

Wolfgang Amadeus Mozart
Streichquartett G-Dur KV 387, Sätze 1 & 4

Paul Hindemith
Streichtrio Nr. 1, 3. Satz

Leoš Janáček
Streichquartett Nr. 1, 1. Satz

Blanche Kommerell, Carolin Kipka und Robin Bohn (Sprecher)
Martinů Quartett, Prag

Samstag, 14. Dezember

10 – 12.30 Referate II
(Chair: Habakuk Traber)

10 Uhr Wolfgang Rathert: "Die stabilisierten Formen der gesellschaftlich ausgeübten Musik - ". Klein, Mozart und Theresienstadt
10.30 Uhr Lukas Michaelis: Gideon Klein und das Vierteltonsystem (1939/40)
11 Uhr Albrecht Dümling: Zeugnis eines kompositorischen Neubeginns: Gideon Kleins "Drei Lieder op. 1"
11.30 Uhr Winfried Radeke: Fünfstimmig im Ghetto - die Madrigale Gideon Kleins

12 - 14 Uhr Mittagspause

14 - 17.30 Uhr Referate III
(Chair: 1. Abrecht Dümling, 2. Bettina Brand)

14 Uhr Jascha Nemtsov: Gideon Kleins Sonate für Klavier (1943) im Kontext stilistischer Tendenzen seiner Zeit
14.30 Uhr Michael Beckerman: Gideon Klein at 100, his Cello Scream at 75: A Search for Musical Meaning

15 Uhr Kaffeepause

15.30 Uhr Beatrix Borchard: "Musik an der Grenze des Lebens" - Erfahrungen mit einer Konzertmontage
16 Uhr Tilmann Kannegießer im Gespräch mit Bettina Brand: Gekommen, um zu bleiben? Edition und Rezeption der Werke Gideon Kleins.

16.30 Uhr Schlussdiskussion. Leitung: Wolfgang Rathert und Albrecht Dümling

20 Uhr Konzert II

Gideon Klein
Vier Sätze für Streichquartett, 1936-38

Melodram "Topol" (Der Pappelbaum, 1938) für Sprecher und Klavier (EA)

Duo für Violine und Bratsche im Vierteltonsystem, 1939/40

Drei Lieder op. 1, 1940

Streichquartett op. 2, 1940

Pause

Zwei Madrigale für 2 Soprane, Alt, Tenor und Bass, Theresienstadt 1943

Klaviersonate, Theresienstadt 1943

Streichtrio, Theresienstadt 1944

Blanche Kommerell (Sprecherin), Tehila Nini Goldstein (Sopran), Jascha Nemtsov (Klavier), Martinů Quartett, Prag, Mitglieder des RIAS-Kammerchors, Leitung: Joachim Buhrmann

Foto: Gideon Klein im Oktober 1941, Quelle: Jüdisches Museum Prag