Zeitgenosse Hoffmann?

Spotlight-Ausstellung

5. Mai bis 31. August 2022

E.T.A. Hoffmann und die Musik

Anlässlich des 200. Todestags von E.T.A. Hoffmann 2022 ergänzt das Staatliche Institut für Musikforschung unter dem Titel „Zeitgenosse Hoffmann? – E.T.A. Hoffmann und die Musik“ die Dauerausstellung im Musikinstrumenten-Museum um thematische Spotlights.

»Eine gute Strumpfmaschine übertrifft […] an wahrem Wert himmelweit die vollkommenste prächtigste Spieluhr.«

So lässt E.T.A. Hoffmann seinen Protagonisten Ludwig in der Erzählung Die Automate postulieren. Und doch spielt die Faszination für automatische Musikinstrumente in Hoffmanns Werk eine große Rolle. Aus Anlass seines 200. Todestags folgen wir in einer Spotlight-Ausstellung dieser Faszination bis in die Gegenwart. Neben Musikinstrumenten, die Hoffmann erwähnt, thematisieren wir die Aktualität seiner Vorstellungen für die Wahrnehmung elektronischer Klänge. Die Ausstellung wird von einem Vortragsprogramm begleitet und eine interaktive Karte verortet sein Wirken an den historischen Stätten Berlins. Ein wissenschaftliches Symposion im November 2022 knüpft an den Topos der Musikautomaten an. Es thematisiert das für die zeitgenössische Musikkultur maßgebliche Spannungsfeld von mechanischer Musikproduktion auf der einen und künstlerisch-individueller Komposition und Interpretation auf der anderen Seite.

Terminübersicht

5. Mai 2022, 17 Uhr, Vernissage
Zeitgenosse Hoffmann? – E. T. A. Hoffmann und die Musik
Es spricht die Direktorin des Staatlichen Instituts für Musikforschung Rebecca Wolf, Museumsdirektorin Conny Restle liest aus E.T.A. Hoffmann-Texten und der Pianist stefanpaul spielt die 3. Klaviersonate in f-Moll von E.T.A. Hoffmann sowie Valses sentimentales et tristes von Horst Lohse. Beim anschließenden Ausstellungs-Pitch führen die wissenschaftlichen Mitarbeiter:innen des SIM in die einzelnen Themenbereiche ein.

12. Mai 2022, 19 Uhr, SIM-Science
Unheimliche (Musik-)Automaten. E. T. A. Hoffmann und das Verhältnis von Mensch und Maschine
mit Benjamin Schlodder, E. T. A. Hoffmann Portal, Staatsbibliothek zu Berlin
Der Romantiker E. T. A. Hoffmann war wie viele seiner Zeitgenossen fasziniert von Musikautomaten. In seiner Erzählung Die Automate (1819) beschäftigt ihn u. a. die Frage, ob automatische Musikinstrumente in der Lage wären, menschliche Musiker zu ersetzen. Auch die berühmte unheimliche Erzählung Der Sandmann (1816) thematisiert mit der Puppe Olimpia das Verhältnis von Mensch und Maschine. Hoffmanns Fragen sind aktueller denn je: Heute beschäftigen uns künstliche Intelligenz, Roboter und Cyborgs.

15. Mai 2022, Internationaler Museumstag
14 Uhr
Theremin-Workshop für Kinder und Familien
mit Carolina Eyck, Preisträgerin ECHO Klassik 2015
Das berührungslos zu spielende Theremin fasziniert uns bis heute. Bei einem Theremin-Workshop für Kinder und Familien am 15. Mai erklärt Carolina Eyck, wie dieses magisch anmutende Instrument funktioniert. Sie bringt Weltraummusik ins Museum, träumt von musizierenden Robotern und lädt dazu ein, eigene Klänge am Theremin auszuprobieren.
 
15.30 Uhr
Theremin-Performance „Thetis 2086“
mit Carolina Eyck
Die Komponistin und Meisterin des Theremins veröffentlicht mit Thetis 2086 ein Album über die Schönheit der Erde und ihre Fragilität. Dafür nimmt sie die Perspektive eines extraterrestrischen Besuchers des fiktiven Planeten Thetis 2086 ein. Sie zeigt die Klangbreite des Theremins, vereint elektronische und vokale Elemente und thematisiert parallel eines der dringendsten gesellschaftlichen Probleme der Gegenwart.

16 Uhr
SIM-Science
Faszination des Unsichtbaren. Elektrizität bei E. T. A. Hoffmann und Lev Termen
mit Rebecca Wolf, Staatliches Institut für Musikforschung
Das Spiel mit dem Theremin erfolgt nicht nur berührungslos, sondern wir spielen augenscheinlich mit dem Unsichtbaren. Tatsächlich geschieht dies aber mit elektrischen Schwingkreisen. Vor gut hundert Jahren wurde dieses Instrument vom Physiker Lev Termen erfunden und ist seither Quelle für Musik, die geheimnisvoll, überirdisch oder gar unheimlich erscheint. Was hat es mit Elektrizität in der Kunst und Aufführung von Naturphänomenen auf sich? Hierzu sollen die Schriften E.T.A. Hoffmanns zurate gezogen werden, der sich weitaus nicht nur mit Musikautomaten seiner Zeit beschäftigt hat, sondern auch mit der Wirkung des Elektrischen. Die Romantik war auch die Zeit der frühen Elektrisiermaschinen, des Magnetismus und Mesmerismus. Welche Verbindungen lassen sich über die Beschäftigung mit dem Unsichtbaren ziehen?

23. Juni 2022, 19 Uhr, SIM-Science
Von Sphärenmusik und Elektronen
mit Benedikt Brilmayer, Musikinstrumenten-Museum
Die künstlerischen Fragen, die E. T. A. Hoffmann anhand von Musik-Automaten in seinen literarischen Werken aufwirft, schwingen bis in die heutige Musik nach. Kann ein solch mechanisches Werk tatsächliche Kunst hervorbringen? Oder regiert nicht der Technizismus über die Kunst? Sind elektronische Instrumente tatsächlich ‚Musik‘-Instrumente oder bloße Spielereien einer medialen Welt? Können Elektronen die Sphären der Kunst überhaupt erklingen lassen, oder bleibt dies die Domäne der kreativen Künstler:innen?

11./12. November 2022, Symposium
Zeitgenosse Hoffmann – Im Spannungsfeld von mechanischer und künstlerisch-individueller Musikproduktion
Im Mittelpunkt des (musik-)wissenschaftlichen Symposiums steht zum einen die Rezeption E. T. A. Hoffmanns und seiner literarischen Produktion in der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, zum anderen werden sich die Vorträge im Anschluss an den Topos der Musikautomaten mit dem gerade für die aktuelle Musikproduktion maßgeblichen Spannungsfeld zwischen „mechanischer“ Musikproduktion und -wiedergabe auf der einen und künstlerisch-individueller Komposition bzw. Interpretation auf der anderen Seite auseinandersetzen.

Kommende Veranstaltung

Weitere Informationen

Das Projekt „Zeitgenosse Hoffmann?” ist Teil des Kulturprogramms zu:

Batch des E.T.A. Hoffmann-Jahr 2022: "Unheimlich Fantastisch. E.T.A. Hoffmann 2022" mit weißer Schrift auf dunkelblauem Untergrund

Musikautomaten bei E. T. A. Hoffmann

Harfenuhr, J. C. Krüger, Berlin, 1764, Kat.-Nr. 4900, Detail. Foto: Anne-Katrin Breitenborn

Tipp

Zwischen „Olympia” und „Freischütz”. Oper in Berlin im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts: Repertoire, Realisierung, Rezeption
Tagung vom 5. bis 7. Mai 2022 an der Humboldt-Universität zu Berlin. Die Teilnahme ist auch online möglich. Weitere Informationen finden Sie hier

Cookie-Hinweis

Auf unserer Website werden neben den technisch erforderlichen Cookies noch Cookies zur statistischen Auswertung gesetzt. Sie können die Website auch ohne diese Cookies nutzen. Durch Klicken auf „Ich stimme zu“ erklären Sie sich einverstanden, dass wir Cookies zu Analyse-Zwecken setzen.

In unserer Datenschutzerklärung finden Sie weitere Informationen. Dort können Sie Ihre Cookie-Einstellungen jederzeit ändern.