###

"Die Finger müssen den Gedanken folgen"

Wann: Fr 23.11.2018, 18:00 Uhr
Wo: Curt-Sachs-Saal

"Die Finger müssen den Gedanken folgen"
(Rudolf Kolisch)
Schoenberg, Berg, Webern - wie man ihre Musik eigentlich spielen sollte

Gesprächs-Konzerte mit Berthold Tuercke und dem KNM Quartett

2. Teil

Anton Webern, Streichtrio op. 20 und Satz für Streichtrio op. posthum

KNM Trio
Theodor Flindell, 1. Violine
Lisa Werhahn, 2. Violine
Kirstin Maria Pientka, Viola
Andreas Voss, Violoncello

Eintritt frei

********************************************************************

Als vor bald 100 Jahren das Quartett des Geigers und Schoenberg-Schülers Rudolf Kolisch sich in die Interpretation der Werke Schoenbergs und seines Schülerkreises vertiefte, entdeckten diese Musiker, dass die meisten der dort im Komponierten mitgedachten Spielweisen aus dem Reservoir der klassischen Quartettkompositionen stammten, da ja die Werke selbst sich auf dem Nährboden der alten Wiener Schule gründen. Wenn wir heute die Aufnahmen des Kolisch Quartetts und seines späteren Pro Arte Quartetts hören, sind wir frappiert von der Durchsichtigkeit und Charakteristik dieser Einspielungen – trotz simpler Aufnahmetechnik und rauschender Klangqualität. Aus den Schriften und Vorträgen Kolischs erfahren wir wenig darüber, mit welchen spieltechnischen Mitteln dieses Darstellungsniveau erreicht wird, darin die Symbiose von Konstruktion und Ausdruck dieser Musik aufscheint. Während meines Studiums bei Kolisch und dem Bratscher seines Quartetts, Eugene Lehner, habe ich einen Einblick in die konkreten Spielweisen erhalten, wo Fingersätze, Strich-/Zupfarten, Vibrato und Links-Akzente sich aus einem empathischen Denken entlang der musikalischen Charaktere und ihrer kompositorischen Rolle versammeln – Spielweisen, die im heutigen Interpretationsstil vergessen sind. Sie zu reanimieren führt jedoch keineswegs zu einem "historischen" Stil; im Gegenteil, jene Art der Aufführungspraxis erweist sich als zeitlos aktuell, einzig darauf bedacht, die Charaktere dieser Musik zum Sprechen zu bringen. Wenn das gelingt, entsteht ein – damals wie heute – fesselndes Spektrum von Ausdrucknuancen, von dem Interpreten (instrumentale wie wissenschaftliche), Zuhörer und nicht zuletzt auch Komponisten zehren können.

Für diese Konzertreihe wurden 3 Werke ausgewählt, die äußerst selten gespielt werden und doch repräsentativ für das Idiom der Neuen Wiener Schule sind:

Alban Berg – Streichquartett op. 3
Anton Webern – Streichtrio op. 20 und Satz für Streichtrio op. posthum
Arnold Schoenberg – IV. Streichquartett op. 37


Berthold Tuercke